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Erklärung: Schallübertragung

by jstienen last modified 2007-12-17 20:03

Erklärung: Qualität der Schallübertragung

Sitzung des Fachausschusses „Elektroakustik“
am Montag, dem 23.10.2000
Universität Oldenburg

Thema: Hörgeräte und Hörgenuß

Am 23.10.2000 fanden sich in Oldenburg 35 Mitglieder und Gäste des Fachausschusses „Elektroakustik“ ein, um in der Zeit von 16.00 - 20.00 Uhr interessante Beiträge zu hören und über die Themen zu diskutieren. Professor Birger Kollmeier begrüßte die Teilnehmer im Namen der Universität Oldenburg und gab einen Einblick in die wissenschaftlichen Arbeiten. Hierzu gehört auch die Veranstaltung in Oldenburg. Professor Ernst-Joachim Völker begrüßte als Vorsitzender des Fachausschusses die Teilnehmer und wies auf die Erklärung hin, die anläßlich dieser Fachausschußsitzung in der Einladung versendet und auch als Tischvorlage verteilt wurde. Es geht um die Bedeutung der Hörgeräteakustik und insbesondere der hörphysiologischen und hörpsychologischen Aspekte, die für die breite Anwendung dieser Technologie weiterentwickelt werden müssen. Der Fachausschuß verweist darauf, daß alle Anstrengungen gemacht werden müssen, die Qualität und Akzeptanz von Hörhilfen zu verbessern. Er appellierte an die Hörgeräteindustrie, dem Beispiel der Brillen-Reklame zu folgen, um das Hörerlebnis vieler Betroffener zu verbessern.

Professor Birger Kollmeier sprach sehr ausführlich über die Aspekte der Hörgeräte, Qualitätsanalysen und Optimierungen. Nach seinen Worten ist zunächst der Weg eingeschlagen worden, das Ziel ist noch lange nicht erreicht. Die Elektronik und die computergestützte Signalübertragung wird mit mehr und mehr Rechenaufwand betrieben, um Störgeräusche zu unterdrücken und auch Ortungsmöglichkeiten bei beidseitigem Tragen von Hörhilfen zu ermöglichen. Verbesserungen an der einen Stelle bedeuten häufig Verschlechterung an einer anderen. Größere Lautstärke zwingt zur besseren Unterdrückung der Rückkopplung. Dadurch ist die Schalldämmung der Hörhilfe groß, was sich bei abgeschaltetem Gerät als nachteilig herausstellt. Das enge Anliegen der Hörhilfe am Ohrkanal bedeutet die Einleitung von Körperschall mit zum Teil störenden Pegeln. Professor Kollmeier sieht eine Entwicklung hin zur multifunktionalen Hörhilfe, die in das gesamte System der Informationsübertragung integriert ist.

Dr. Wolfgang Niehoff sprach über Mikrofone und Lautsprecher sowie zukünftige Übertragungseinrichtungen und verwies auf die über 80-jährige Geschichte des Mikrofonbaus. Bezüglich der Hörhilfen führte er aus, daß sich im Laufe der Jahrzehnte zwar die Elektronik von der Röhre über den Transistor bis hin zu Microship-Steuerungen entwickelt hat. Die Wandler als Mikrofone und Lautsprecher sind dagegen fast gleich geblieben. Er erläutert dann die Mikrofone und Lautsprecher, die evtl. die Zukunft bestimmen werden. Hierzu gehört das optische Mikrofon ebenso wie Lautsprecher, die Ultraschall zwischen 100.000 und 101.000 Hz abstrahlen, wodurch sich aufgrund von Nichtlinearitäten in der Kompression der Luftteilchen (angeregt durch Ultraschall) Differenztöne im Ultraschallfeld bilden, die dann im üblichen Hörbereich hörbar sind.

Professor Ernst-Joachim Völker stellte die Schallfelder am Hörort dar, wobei es ihm insbesondere um die Feinstruktur des Schalles ging, die zeitliche Abfolge von Direktschall, Schallreflektionen und Nachhall. Viele Beispiele wurden angeführt. Er erläuterte, daß diese Feinstruktur am Ort des Dirigenten oder am Ohr des Musikers in richtiger Weise abgebildet wird. Das Mikrofon wird zunächst erreicht von dem Direktschall der Violine (als Beispiel). Dann kommen starke erste Schallreflektionen vom Fußboden, dem Notenständer oder der Stufe auf dem Orchesterpodium. Die danach folgende zeitliche Lücke wird bewußt bei der Planung von Konzertsälen berücksichtigt, weil die kurzzeitig dem Direktschall folgenden Reflektionen möglichst ungehindert und auch nicht überdeckt am Aufnahmemikrofon, am Ohr des Dirigenten oder auch im Publikum eintreffen sollen.

Die Grenze zwischen einem direkten und diffusen Schallfeld ist nicht genau fixiert, da es auf die Vielzahl der eintreffenden ersten Reflektionen ankommt. Er verwies dazu auf den Diffusor oder auf einzelne Reflektionsflächen, die zwar eine deutlich wahrnehmbare Halligkeit erzeugen, jedoch keine Nachhallzeit im Sinne der Definition des Abklings in einem Raum. Ankommender Impulsschall
(z. B. durch Explosivlaute der Sprache) soll nur als Direktschall unverfälscht am Ohr ankommen (abgesehen von später eintreffenden Schallanteilen). Eine Verfälschung durch Fehler der Schallquelle (z. B. bei einem Lautsprecher), zu erschweren die Erkennung des Direktschalles mit seinen besonderen Eigenschaften. Hierzu erläuterte er die zeitliche Struktur der Pegelabnahme einer mit Impulsschall angeregten Geige.

Auf dem Programm dieser Veranstaltung stand auch die Information über die studentischen Aktivitäten innerhalb der AES. Hierzu machten Dipl.-Ing. Karl-Otto Bäder und Professor Völker eine Reihe von Anmerkungen. Danach wird den Studenten die Möglichkeit geboten, besondere Aktivitäten innerhalb der AES und im Zusammenhang mit den internationalen Tagungen zu entwickeln.

Zum Schluß der Veranstaltung gab es einen Imbiss, zu dem die AES eingeladen hatte. Dabei setzte sich die Diskussion bis spät in den Abend fort. Völker bedankte sich abschließend bei den Referenten und Professor Kollmeier für die Möglichkeit, diese Veranstaltung in der Universität Oldenburg durchzuführen.

Ernst-Joachim Völker

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