Wie Geräusche wahrgenommen werden!
Ein und dieselbe Geräuschsituation kann auf zwei gleichermaßen
betroffene Personen völlig unterschiedlich wirken. Während die eine
Person z.B. laute Musik als anregend empfindet, fühlt sich eine andere
dadurch belästigt und nimmt die Situation als strapaziös und belastend
wahr. Dies ist jedoch nicht allein auf die Lautstärke zurückzuführen,
da auch ein leises Geräusch bei zwei Personen eine konträre Meinung
hervorrufen kann; d.h. unterschiedliche Reaktionen auf eine
Geräuschsituation sind nicht alleine durch akustische Merkmale
(Schalldruckpegel, Frequenz, etc.) zu erklären. Denn für den
Höreindruck sind nicht nur die physikalischen Eigenschaften eines
Geräusches entscheidend; auch andere subjektive Einflussgrößen, die man
zunächst nicht mit Lärm in Verbindung bringt, spielen bei der
Wahrnehmung von Geräuschen eine bedeutende Rolle.
Entscheidend ist aber, dass verschiedene Personen oft nicht qualitativ
unterschiedlich reagieren, sondern quantitativ. Dies ist darauf
zurückzuführen, dass Lärmprobleme meist erst dann auftreten, wenn
unterschiedliche Erwartungen aufeinander treffen. Die aktuelle
Situation eines Menschen kann somit die Reaktion auf ein bestimmtes
Geräusch erheblich beeinflussen. Während das Ticken einer Uhr im Laufe
des Tages kaum wahrgenommen wird, kann es beim Einschlafen nervtötend
sein. Auch die individuelle oder gesellschaftliche Einstellung zur
Geräuschquelle selbst bedingt die Lärmwirkungen auf einen Betroffenen,
da der „Sound“ eines vorbeifahrenden Motorrads bei einem begeisterten
Motorradfahrer ganz andere Gefühle auslösen wird als bei einem
überzeugten Fahrradfahrer. Weiterhin wird das Verhalten der Personen
gegenüber der Geräuschsituation durch das Wissen beeinflusst, ob man
etwas gegen den Lärm tun kann oder nicht. Das auftretende Geräusch wird
bei den Betroffenen eher zu Stressreaktionen führen, wenn diese das
Gefühl haben, dem Geräusch hilflos ausgeliefert zu sein, aber auch,
wenn sie der Meinung sind, dass die Geräusche vermeidbar wären.
Dies zeigt: Lärm ist nicht gleich Lärm. Nicht-akustische Einflussgrößen
haben mehr oder weniger immer Auswirkungen auf die möglicherweise
auftretenden Lärmwirkungen und sind deshalb für die Reaktionen von
Betroffenen mitverantwortlich.