Auswirkungen des Lärms
Geräusche treten immer und überall auf. Sie sind Bestandteil des
täglichen Lebens und in vielen Situationen auch hilfreich und wichtig.
Denn Schall hilft uns nicht nur bei der Orientierung, sondern dient
auch als Warnsignal. Ohne Schall wäre eine sprachliche Kommunikation
erst gar nicht möglich. Aber oft stört und belästigt Schall, führt zu
Beeinträchtigungen und Schädigungen, was auch darauf zurückzuführen
ist, dass das menschliche Gehör immer, auch im Schlaf, aktiv ist.
Sobald Geräusche beeinträchtigen oder stören spricht man von Lärm,
wobei man jedoch zwei Arten von Lärm unterscheiden muss: der Gehör
schädigende und der lästige Lärm.
Aurale Lärmwirkungen
Der Gehör schädigende Lärm tritt vor allem an Lärmarbeitsplätzen, in
Diskotheken oder bei Knallereignissen (Silvesterböller, Explosionen,
etc.) auf. Er wirkt direkt auf die Ohren und schädigt organisch, was zu
Gehörschäden führen kann.
Durch kurzzeitige hohe Schallspitzen oder Dauerschall kann das Gehör
Schaden nehmen, so dass der Schalldruckpegel und die Expositionszeit
eine entscheidende Rolle spielen. Aber auch die Erholungsphasen
zwischen Lärmereignissen haben Einfluss auf die auralen Lärmwirkungen,
zu denen Beeinträchtigungen des Hörvermögens, Schwerhörigkeit, zeitlich
begrenzte oder dauerhafte Ohrgeräusche (Tinnitus) zählen. Nach den
heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen leidet das Gehör ab einem
Pegel von 85 dB(A). Dieser Wert stellt jedoch eine Untergrenze dar und
bezieht sich auf eine Einwirkzeit von acht Stunden täglich über mehrere
Jahre hinweg.
Bei einer Dauerschallbelastung oder kurzen hohen Schallpegelspitzen
verbiegen sich die Haarzellen im Innenohr stark und können dauerhaft
geschädigt werden. Vor allem wenn sie stark und oft gereizt werden,
ermüden sie und werden gelähmt. Dies führt zu einem lärmbedingten
Hörverlust, der zunächst vor allem im Frequenzbereich von 4 kHz
auftritt, so dass die Sprachverständlichkeit zurückgeht. Die
Kommunikation in lauten Umgebungen wird somit durch Störgeräusche
erschwert. Bei dauerhaft starker Geräuscheinwirkung nimmt die
Hörfähigkeit für tiefere Töne ebenfalls ab. Erschlaffte Haarzellen
können nicht mehr regenerieren, so dass eine Lärmschwerhörigkeit nicht
mehr rückgängig gemacht werden kann.
Da eine Taubheit schleichend kommt, sollten erste Warnsignale des
Körpers ernst genommen werden. Eine Dauerschädigung des Gehörs beginnt
mit Ohrensausen (Tinnitus) oder mit einer vorübergehenden
Verschlechterung der Hörfähigkeit.
Extra-aurale Lärmwirkungen
Lästiger Lärm wirkt auf die Psyche und den gesamten Organismus, indem
er körperliche Stressreaktionen auslöst. Diese so genannten
extra-auralen Lärmwirkungen können schon bei niedrigen Schallpegeln
auftreten. Das Problem für den menschlichen Körper besteht darin, dass
er auf den Lärm mit Stress reagiert und sich auf eine physische
Auseinandersetzung vorbereitet, die letztendlich gar nicht stattfindet.
Dies ist mit einem Motor zu vergleichen, der im Leerlauf ständig
hochtourig betrieben wird. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen
und die Aktivierung des Nervensystems kommt es zu Veränderungen im
Herzkreislaufsystem. Zudem führt der Lärm zu Konzentrations- und
Schlafstörungen.
Da die körperlichen Reaktionen auf den Lärm unbewusst ablaufen, treten
diese Lärmwirkungen auch bei Betroffenen auf, die das Gefühl haben,
sich bereits an den Lärm gewöhnt zu haben. Dies hat zur Folge, dass die
Auswirkungen des Lärms oft unterschätzt werden.
Insgesamt gesehen beeinträchtigt Lärm nicht nur das subjektive
Wohlempfinden und die Lebensqualität eines Menschen, indem er stört und
belästigt. Er kann auch zu gesundheitlichen Problemen führen, die man
unbedingt ernst nehmen sollte. Denn ein Übermaß an Schall, in Stärke
und Dauer, kann Gehörschäden hervorrufen, die nicht mehr rückgängig zu
machen sind.